Ohne Plumsklo und Schornstein
Im Spreewald zu Hause, Ausgabe November 2009, NetPR
„Luxuswohnen“ Ende der 50er Jahre
im ersten Wohnblock der Genossenschaft
Vor 50 Jahren war er
fertig, der erste Wohnblock der AWG „Spreewald“, der heutigen GWG eG in
der Straße des Friedens 27-29. Einige der ersten Mieter wohnen noch
heute in diesem Haus. Die Ausführung des Blocks war damals auf dem
neuesten Stand. Neben fließendem Wasser in Küche und Bad war die
eingebaute Fernheizung das Non plus Ultra in der Stadt. Die ersten
konnten sich noch die Wohnungsgröße aussuchen. Später wurde nach
„Bedarf“, also nach der Personenanzahl, freier Wohnraum zugeteilt. Hier
ein paar Streiflichter aus Gesprächen zum Jubiläum mit den
„Alteingesessenen“.
Die Aufbauphase
Herr
Mechler: „Ich kann mich noch erinnern, wie wir Schippen mussten. Mal
waren wir zuviel und mal zu wenig.“ Herr Gaumer: „Was haben wir alle für
Löcher gebuddelt nach Feierabend.“
Frau Richter: „Da stand ich sechs
Wochen an einer Rüttelmaschine und habe Kies gesiebt. Das habe ich mit
Elan gemacht. Ich wusste ja, worum es ging.“
Der
Einzug
Herr Richter: „Was hat mir meine Mutter die Hölle
heiß gemacht: Das Haus hat ja nicht mal 'n Schornstein, was soll das im
Winter werden? Und so 'ne große Wohnung, was willst Du denn da für Möbel
reinstellen?“ Herr und Frau Richter waren frisch verheiratet und
bekamen eine 2 2/2 Zimmer Wohnung.
Frau Richter: „Am Tag nach der
Taufe unserer Tochter kam meine Schwiegermutter einfach mit acht Frauen
von ihrem Frauenkreis zu Besuch.“
Herr Gaumer: „Ja Besuch hatten wir
gehabt aus der ganzen Stadt, als erstes immer „ach so schön große
Fenster“.
Frau Richter: „Ja überhaupt ne Toilette mit Spülung, das
war doch, wir haben uns gefreut wie die kleinen Götter, wir kamen ja
alle vom Dorf mit Plumsklo.“
Das Zusammenleben
Herr
Gaumer: „Wir waren wie eine Familie im Hause“. „Und ihr wart unsere
Babysitter, das brauchte man ja auch mal“, so Frau Kube. „Naja, die Oma
war weit weg.“, ergänzt Herr Gaumer.
Frau Wehlan: „Sieben Lehrlinge
habe ich hier ausgebildet.“ Zwei Räume der Wohnung waren eine kleine
Schneiderei – es gab ja keinen Gewerberaum in der Stadt.
Frau
Richter: „Weil wir vom Dorf gekommen sind, waren wir das ja gewohnt uns
um unser Umfeld zu kümmern. Die Rasenflächen im Herbst sauber zu machen
oder das Schneefegen.“
Herr Gaumner: „Wenn Schneefall war, dann ist
der ausgegangen, der zu Hause war.“
Frau Wehlan: „Die ersten
Aufgangsversammlungen waren in den Wohnungen reihum. Einmal haben wir
bis um vier gesessen, bei Haupt, der hat dann noch Sekt rausgeholt.“
Frau
Kube: „Silvester, das waren immer die schönsten Feiern bei uns im
Aufgang.“ „Ja, da wart ihr besser als wir“, ergänzte Frau Richter. Familie
Richter wohnte zuerst im Aufgang Nr. 28 und zog dann nach nebenan.
Gefeiert wurde auf dem Dachboden oder in der Waschküche.



